FAQ zur Notdienstreform

Fragen und Antworten zur Neuordnung des Notfalldienstes in Nordrhein (PDF, 70 KB)

Wie ist der aktuelle Sachstand bei der Umsetzung der Notfalldienstreform?

Die Delegierten der Vertreterversammlung der KV Nordrhein haben am 26. Juni 2015 eine Ergänzung ihrer zuvor im Februar 2015 gefassten Beschlüsse vorgenommen.

Damit beauftragen sie den Vorstand der KV Nordrhein, Gespräche mit der Krankenhausgesellschaft NRW (KGNW) aufzunehmen, um eine sinnvolle Kooperation zwischen niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern im Rahmen des allgemeinen Notdienstes zu ermöglichen. Hierzu soll der KV-Vorstand u.a. einen Rahmenvertrag mit der KGNW verhandeln, in dem Details der örtlichen Zusammenarbeit geregelt sind. Wichtig: Es geht dabei ausschließlich um den allgemein ärztlichen Notdienst im Sitzdienst für Erwachsene.

Das neue Kooperationskonzept zwischen Niedergelassenen und Krankenhäusern soll zunächst in einer Modellregion erprobt und anschließend sukzessive auf ganz Nordrhein ausgeweitet werden. Wann genau die Umsetzung nach Ende der Modellphase in den weiteren Regionen Nordrheins erfolgt, ist aktuell noch nicht absehbar.

Warum ist eine Reform des ambulanten Notfalldienstes in Nordrhein wichtig?

Die derzeitige Struktur des ambulanten Notfalldienstes im Bereich Nordrhein ist uneinheitlich. Daraus resultieren ungleiche Belastungen der Ärztinnen und Ärzte hinsichtlich der Dienstbelastung und der für sie entstehenden Kosten. Aus Sicht der Patienten sind nicht überall gleiche Bedingungen für ihre Behandlung gegeben, insbesondere bei der fachärztlichen Notdienstversorgung.

Beseitigung struktureller Unterschiede

Deutlich werden die unterschiedlichen Notfalldienststrukturen in Nordrhein vor allem bei der fachärztlichen Notfallversorgung. In vielen Kreisen und kreisfreien Städten Nordrheins wird bislang keine Hals-Nasen-Ohren(HNO)-ärztlicher ambulanter Notfalldienst angeboten (so zum Beispiel im Rhein-Erft-Kreis, im Rhein-Sieg-Kreis, sowie in den Kreisen Düren, Euskirchen etc.). Gleiches gilt für den ambulanten kinderärztlichen Notfalldienst, der bisher ebenfalls nicht flächendeckend in Nordrhein zur Verfügung steht.

Da der Anspruch der Patientinnen und Patienten auf ärztliche Versorgung nicht vom jeweiligen Wohnort abhängen darf, ist es Ziel der Notfalldienstreform, so weit als möglich allen Bürgerinnen und Bürgern die gleichen Zugangsmöglichkeiten zur ärztlichen Notfalldienst-Betreuung zu gewährleisten. Mit der Reform werden in ganz Nordrhein flächendeckende augen-, HNO- und kinderärztliche ambulante Notfalldienste eingeführt. Als zentrale Anlaufstellen werden mindestens 15 kinderärztliche und jeweils acht HNO- und augenärztliche Notfalldienstpraxen eingerichtet, die zu den sprechstundenfreien Zeiten von den Patientinnen und Patienten aufgesucht werden können. Diese Notfalldienstpraxen werden direkt an Krankenhäuser angebunden, die ihrerseits über eine stationäre Fachabteilung verfügen. Die ambulante fachärztliche Notfalldienstversorgung wird sich dadurch nicht nur wesentlich verbessern, sondern wird zukünftig auch in ganz Nordrhein gerechter verteilt werden.

Demographische Perspektive der Ärzteschaft

Etwa jeder vierte Hausarzt in Nordrhein ist aktuell über 60 Jahre alt und wird in den kommenden Jahren einen Nachfolger für seine Praxis suchen. Nach Berechnungen der KV Nordrhein müssten bis zum Jahr 2030 in Nordrhein rund 5.000 Hausärzte gewonnen werden, um das derzeitige Versorgungsniveau zu erhalten.

Mehr Infos

In Anbetracht dieser angespannten Nachwuchssituation im ambulanten Bereich wird die Suche nach Praxisnachfolgern jedoch vor allem in ländlichen Bereichen schwierig. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Dienstbelastung der Ärztinnen und Ärzte, also der Umfang der arztspezifischen Verpflichtung zur Teilnahme am Notfalldienst. Diese variiert derezit schon regional zwischen zwei Diensten und über 40 Diensten im Jahr. Vor allem Arztpraxen in ländlichen Kreisen sind von einer hohen Dienstbelastung betroffen. Diese Belastung wird von jungen, nachrückenden Ärzten häufig als Hindernis für eine Niederlassung auf dem Land betrachtet (Stichwort Work-Life-Balance) und muss deshalb geringer werden. Durch der Neustrukturierung des ambulanten Notfalldienstes können die Dienstbelastungen der der Ärztinnen und Ärzte gesenkt und auf ein weitgehend einheitliches Maß gebracht werden.

Ungleiche Verteilung der Kosten

Die Kosten für die Infrastrukturen des ambulanten Notfalldienstes in Nordrhein werden von den hiesigen Vertragsärztinnen und -ärzten im Umlageverfahren selbst getragen. Das heißt, je nach angebotener Notfalldienststruktur vor Ort variieren auch die finanziellen Kosten der zur Teilnahme am Notfalldienst verpflichteten Mediziner, was zu einer Vielzahl ungleicher Aufwendungen der Ärzteschaft geführt hat. Auch in dieser Frage wird die Notfalldienstreform bestehende Unwuchten beseitigen, so dass zukünftig alle dienstverpflichteten Ärztinnen und Ärzte in Nordrhein – unabhängig von der ärztlichen Fachgruppe sowie vom Tätigkeitsort – einen einheitlichen Kostenbeitrag leisten sollen.

Gibt es weitere Gründe?

Unter anderem rechtliche Gründe; so hat das Gesundheitsministerium in Nordrhein-Westfalen (MGEPA) aus Rechtsgründen einzelne Kooperationsmodelle der KV Nordrhein mit Notdienstpraxen als unzulässig betrachtet und Änderungen angemahnt.

Das geplante Versorgungsstärkungsgesetz wiederum drängt auf eine bessere Kooperation mit den Krankenhäusern zu sprechstundenfreien Zeiten.

Wichtig sind auch eine einheitliche, nachvollziehbare Finanzierungsgrundlage für den ambulanten Notdienst, die Trennung von Sitz- und Fahrdienst sowie die Neuorganisation des Fahrdienstes, der effizienter und für die Ärzte sicherer wird, da die im Einsatz befindlichen Ärzte künftig gefahren werden – das ist insbesondere für Ärztinnen im nächtlichen Einsatz sehr wichtig.