Neustrukturierung des Notfalldienstes: „Eine Grundsatzentscheidung“

Das Notdienst-Konzept, das die Vertreterversammlung der KV Nordrhein im vergangenen Jahr auf den Weg gebracht hat, wird jetzt in einem erweiterten Notdienst-Ausschuss weiter erarbeitet. KV- Vorstandsvorsitzender Dr. Peter Potthoff erklärt, warum die Neustrukturierung so wichtig ist.

Herr Dr. Potthoff, bei der Debatte um den Notdienst erhielt man vielfach den Eindruck, die Vertreterversammlung hätte bereits eine neue Notdienstordnung verabschiedet…

Potthoff: …wir haben keine neue Notdienstordnung verabschiedet. Es ist bei allen Gelegenheiten, bei denen wir das neue Konzept vorgestellt haben, klar gewesen, dass wir über ein Konzept sprechen, das es nun weiter zu entwickeln gilt. Bei den Eckpunkten haben wir uns an erfolgreichen Vorbildern orientiert und Strukturen, die uns klug und sinnvoll erschienen, an die nordrheinischen Verhältnisse angepasst. Dazu gehören die Grundsatzentscheidungen, Nordrhein in sieben oder acht neue Notdienstbezirke einzuteilen, Sitz- und Fahrdienst zu trennen und die Notdienstpraxen mit einheitlichen Öffnungszeiten auszustatten.

Die Vertreterversammlung hat jetzt entschieden, in die weitere Arbeit am Konzept den Notdienst-Ausschuss einzubinden. Was halten Sie davon?

Potthoff: Das hatte der Vorstand ohnehin vorgeschlagen. Wichtig ist, dass wir weiter an einem neuen Notdienst-Konzept arbeiten. Wir brauchen die Neustrukturierung, weil es unbestrittene, von vielen Kollegen beklagte Probleme und Schieflagen in der gegenwärtigen Struktur gibt. Es geht hier nicht darum, Wünsche der KV-Spitze zu realisieren. Es geht darum, dass wir Strukturen im Notdienst verbessern, um nicht zuletzt eine geringere Dienstbelastung für die Kollegen in ländlichen Gebieten zu erreichen. Das wäre auch ein Signal an den dringend benötigten ärztlichen Nachwuchs außerhalb der Städte und Ballungsgebiete.

Sie hatten bereits die Erprobung in einer konkreten Region angekündigt. Bleibt es dabei?

Potthoff: Wir können operativ parallel zur Arbeit des Ausschusses die nächsten Schritte tun. Wir wollen im Süden unserer Region in Abstimmung mit den Kreisstellen Rhein-Sieg, Bonn und Euskirchen starten, weil dort die Bereitschaft zu einer Erprobung sehr groß ist. Wir müssen das Konzept in einer Modellregion mindestens zwei Quartale lang erproben, um wichtige Erkenntnisse zu gewinnen, die in die Weiterentwicklung der Notdienstordnung einfließen.

Warum wird die Notdienst-Diskussion so emotional geführt?

Potthoff: Das Thema sorgt seit langem für Diskussionen. Wenn nun Kolleginnen und Kollegen aufgrund ihrer Betroffenheit über das Für und Wider einer neuen Notdienststruktur streiten, ist das völlig in Ordnung. Leider sind aber einige wenige, dafür sehr lautstarke Kritiker gar nicht an der Lösung der Probleme im Notdienst interessiert, sondern aus Prinzip dagegen. Sie haben den Eindruck erweckt, wir hätten Fakten schaffen und ohne Berücksichtigung der Verhältnisse vor Ort die Strukturen vereinheitlichen wollen. Das ist falsch.

Dr. Heiko Schmitz führte das Gespräch.